
25.09.2026
Land der Mieterinnen und Mieter mitten in der Mietpreis-Krise
Heute, am 5. Oktober, ist internationaler Tag der Mieterinnen und Mieter. In keinem Land Europas wohnen anteilig so viele Menschen zur Miete wie in der Schweiz. Die Mietbelastung steigt auf Rekordhoch. In zwanzig Jahren sind die Mieten um 32 Prozent gestiegen. Die neuste Sotomo-Umfrage bestätigt: 79 Prozent der Mieterinnen und Mieter bezeichnen die Lage auf dem Wohnungsmarkt als besorgniserregend. So kann es nicht mehr weitergehen. Doch der Bundesrat will die Mietpreis-Krise verschärfen. Mit dem geplanten Gegenvorschlag zur Mietpreis-Initiative würden die Mieten noch stärker steigen. Der Widerstand ist gross: In nur einer Woche haben über 92’000 Personen den dringenden Appell an den Bundesrat unterzeichnet. Am Internationalen Tag der Mieterinnen zeigt sich der Mieterinnen und Mieter Verband besorgt über die Situation der Mieterinnen und Mieter in der Schweiz und ruft die Politik dazu auf, gegen die explodierenden Mieten vorzugehen.
Anlässlich des Internationalen Tags der Mieterinnen hat der Mieterinnen und Mieter Verband ein Dossier zusammengestellt, das die aktuelle Situation beleuchtet Hier die wichtigsten Erkenntnisse und aktuelle Zahlen zur Lage der Mieterinnen und Mieter in der Schweiz: --> Das vollständige Dossier mit allen Quellen und Grafiken: https://www.mieterverband.ch/upd_fm_media/dossier_tag_der_mieterinnen_2026_de.pdf-1/
Die Schweiz hat den höchsten Mieteranteil Europas
64 Prozent der Wohnungen in der Schweiz sind Mietwohnungen, das heisst zwei Drittel der Haushalte sind Miethauhalte.[1] Dahinter folgt Deutschland mit 55 Prozent, danach Dänemark mit 47 und Österreich mit 44 Prozent.[2] Am anderen Ende der Rangliste stehen die osteuropäischen Länder. In der Slowakei und in Rumänien wohnten 2024 je rund 93 Prozent der Haushalte in den eigenen vier Wänden. Kein anderes Land in Europa hat einen so hohen Anteil an Mieterinnen und Mietern wie die Schweiz. Doch wer hier mietet, zahlt jedes Jahr mehr. Der Mietpreisindex des Bundesamts für Statistik ist von 2005 bis 2025 um 32,1 Prozent gestiegen. Im selben Zeitraum sind die Hypothekarzinsen auf ein historisches Tief gefallen, der Referenzzinssatz liegt heute bei 1,25 Prozent. Weil die Mieten gesetzlich an diesen Zinssatz gebunden sind, hätten viele von ihnen sinken müssen. In der Realität sind sie weiter stark gestiegen.
Am härtesten trifft es die tiefen und mittleren Einkommen. Haushalte mit einem Bruttoeinkommen bis 4000 Franken geben 37,8 Prozent davon fürs Wohnen aus, bei 4000 bis 6000 Franken sind es 26,5 Prozent. Laut OECD zahlt in der Schweiz jeder zweite einkommensschwache Mieterhaushalt auf dem freien Markt mehr als 40 Prozent seines verfügbaren Einkommens allein für die Miete. Nur in acht OECD-Ländern liegt diese Quote über 50 Prozent. Die Schweiz ist eines davon.
Günstige Wohnungen verschwinden
Wer eine bezahlbare Wohnung sucht, findet immer weniger. Seit 2020 ist der Anteil der ausgeschriebenen Wohnungen unter 1500 Franken Monatsmiete um 39 Prozent zurückgegangen. Abriss und Neubau verschärfen diesen Verlust. Bei jedem Ersatzneubau verschwinden günstige Wohnungen. Auch die Leerwohnungsziffer liegt mit 0,93 Prozent erstmals seit 2013 unter einem Prozent, und die Wohnungsnot hat längst auch die Agglomeration erreicht.
Doch mehr bauen allein senkt die Mieten nicht. Das zeigen die Jahre 2016 bis 2020. Die Leerwohnungsziffer stieg damals auf 1,72 Prozent, den höchsten Wert seit gut zwanzig Jahren. Trotzdem stieg der Mietpreisindex um 3,4 Prozent, obwohl der Referenzzinssatz im selben Zeitraum von 1,75 auf 1,25 Prozent sank. Gebaut wird vor allem für die oberen Preissegmente. Wer ein mittleres Einkommen hat, hat davon nichts.
Die Mietwohnungen werden von Anlagefirmen übernommen
Im Jahr 2000 gehörten 57,3 Prozent der Mietwohnungen Privatpersonen, 2024 waren es noch 43,2 Prozent. Der Anteil der Anlagefirmen stieg im selben Zeitraum von 28,7 auf 44,4 Prozent. Der Grund für den Andrang auf den Schweizer Immobilienmarkt ist simpel: Hier werfen Liegenschaften ab, was sonst kaum zu holen ist. Kotierte Immobilienaktien erzielten in den zwölf Monaten bis zum 21. Mai 2026 eine Gesamtrendite von 12,9 Prozent («The Market» der NZZ, 26. Mai 2026).
Vier von fünf Mieterinnen und Mietern sind besorgt
In der Sotomo-Umfrage im Auftrag des Bundesamts für Wohnungswesen (2026) halten 79 Prozent der Mieterinnen und Mieter die Lage auf dem Wohnungsmarkt an ihrem Wohnort für besorgniserregend.
Anlässlich des internationalen Tages der Mieterinnen und Mieter fordert der MVS:
- Die Kostenmiete durchsetzen. Das Mietrecht verbietet übersetzte Renditen, doch viele Vermieter halten sich nicht daran. Missbräuchlich hohe Mieten müssen sinken. Die Mietpreis-Initiative verlangt deshalb, dass die Mieten automatisch und regelmässig überprüft werden.
- Das globale Finanzkapital bremsen, mit einer schärferen Lex Koller. Die Liberalisierung hat den Schweizer Wohnungsmarkt mit Milliarden an Anlagekapital geflutet. Bezahlen müssen es die Mieterinnen und Mieter.
- Mehr gemeinnützige Wohnungen bauen. Ihr Anteil stagniert seit Jahren, obwohl ihre Mieten dauerhaft unter jenen des freien Marktes liegen.
- Wohnen ist ein Grundbedürfnis und sollte für alle garantiert sein, auch zu einem bezahlbaren Preis.
[1] BFS, Wohnverhältnisse 2021, Miet- und Genossenschaftshaushalte.
[2] OECD, Affordable Housing Database, Indikator HM1.3 «Housing tenures», auf Basis EU-SILC, Datenstand 2024.